Apostel-Johannes-Gem.


Kurzinformation:

Geschichte / Kontext:

Das Gemeindezentrum ist Teil des Neubaugebietes für ca. 50.00 Menschen, dem Märkischen Viertel (MV).

Das MV ist symbolhaft unmittelbar am Verlauf der Berliner Mauer errichtet worden, um den Überlegenheitsanspruch von West-Berlin und der BRD gegenüber Ost-Berlin und der DDR zum Ausdruck zu bringen.

Geschichte des Gebäudes:

Als sich zum Ende der 1980er Jahre Bauschäden zeigten wurde eine Dämmschicht auf der Fassade des Gebäudes aufgebracht und diese mit einem Farbkonzept versehen. Damit erscheint das Gebäude heute völlig anders als von den Architekten beabsichtigt.

Städtebauliche Situation:

Aus dem zurückgesetzten Gebäudekomplex springt der skulptural-abstrakte Baukörper mit dem Sakralraum und der Glockenstube zur Straße vor und akzentuiert den Stadtraum, ohne ihn zu dominieren.

Baubeschreibung:

Der L-förmige Baukörper besteht einerseits aus einem Gemeindebereich mit u.a. dem Sakralraum und dem Gemeindesaal sowie andererseits dem Wohnbereich.

Der Gemeindebereich ist fast ausschließlich in Beton gegossen, der Wohnbereich in Betonskelettbauweise sowie eingestellten Wänden ausgeführt.

Der Baukörper ist so auf dem Gelände angeordnet, dass sich zwei Außenbereiche ergeben. Das ist auf der südöstlichen Seite ein Gemeindeplatz und auf der westlichen Seite ein Gartenbereich für die Bewohner.

Besonderheiten des Gebäudes:

Anders als bei den Wohngebäude des Märkischen Viertels mit ihren, auf Grund der seriellen Fertigung, immer gleichen Fassadengestaltung wurden die Fassaden des Gemeindezentrum, entsprechend der dahinter liegenden Nutzung sehr unterschiedlich ausgeführt.

Besonderheiten des Sakralraums:

Mit der Verwendung von Beton für den Altar und das vollplastische Kreuz in der Apsis kommt die positive Grundhaltung der Architekten, zu dem damals neuen Baumaterial, Beton zum Ausdruck

Durch die drei Säulen auf der linken seite, die zei Säulen auf der rechtenseite sowie der darüber angeordnten Empore und der Ausrichtung des Raumes auf den Altar entsteht der Eindruck eines tradierten Sakralraumes mit Haupt- und zwei Seitenschiffen.

Um die Rohheit des Raumes abzumildern, sind auf Wunsch der Gemeinde, bereits zur Weihe des Sakralraumes umlaufend zwei breite Bänder aus Blattsilber auf den Wänden aufgebracht worden.

Einordnung der Architektur:

Die skulptural-abstrakte äußere Form und die verschlossene höhlenartige Wirkung des Inneren des Sakralraumes, sowie die Verwendung des Sichtbetons lassen an zeitgleich errichtete christliche Bauwerke von Gottfried Böhm, wie den katholische Mariendom in Velbert (1966-1968) oder die katholische Kirche Christi Auferstehung im Köln (1968 – 1970) erinnern.

Der Bezug zu den Bauten von Le Corbusier ist von dem Architekten Günter Plessow in einem Interview bereits selbst hergestellt worden.

Status:

Der Erhalt des Gemeindezentrums und des Gottesdienststandortes ist ungewiss, da die Gelder, die den Gemeinden im Märkischen Viertel zur Verfügung stehen für die Weiterführung der bestehenden drei Gemeinden und drei Gemeindezentren nicht ausreicht. Um sich für den Erhalt des Standortes und des Denkmalschutzes des Gebäudekomplexes einzusetzen hat sich in der Gemeinde 2023 eine Denkmal-AG gebildet.